Fünf Sterne. Oder eine. Irgendetwas dazwischen kommt kaum noch vor. Wir haben uns daran gewöhnt. Wir vertrauen darauf. Wir buchen danach. Aber hat sich mal jemand gefragt, was wir da eigentlich bewerten?

Im Ernst. Was steht da wirklich in diesen Texten?

Man kommt schon genervt an

Wer in den Urlaub fährt, ist am Limit. Das ist kein Vorwurf — das ist die Wahrheit. Man ist gestresst, überarbeitet, erschöpft. Man sehnt sich nach Erholung, nach Stille, nach einem Moment in dem man nichts mehr muss. Und dann: Mietwagen-Chaos am Flughafen. Gepäck, das zu spät kommt. Die letzte Stunde Fahrt auf einer Straße, die kein Navi kennt.

Man kommt also nicht erholt an. Man kommt genervt an.

Und dann steht der Vermieter in der Tür, freundlich, erklärt alles — wo die Handtücher sind, wie der Pool funktioniert, was man mit dem Müll macht. Spätestens beim zweiten Raum geht es zum einen Ohr rein, zum anderen raus. Man nickt. Man lächelt gequält. Und denkt: Ja, ja. Und jetzt geh bitte. Ich hab jetzt Urlaub.

Dann kommen die Blätter

Am nächsten Morgen — ausgeschlafen, Kaffee in der Hand, Sonne noch nicht zu heiß — beginnt der Rundgang. Und plötzlich sieht man Dinge.

Blätter im Garten. Algen am Strand. Eine kaputte Fliese. Einen Wasserfleck an der Wand. Ameisen in der Küche. Mücken abends auf der Terrasse.

Ja. Wir sind in Italien. Im Sommer. In einem Haus das nicht gerade fertig gestellt wurde. Die Ameisen waren vor uns Menschen auf der Welt — und sie werden nach uns noch da sein.

Würden wir das auch bemerken, wenn wir glücklich wären? Wohl kaum. Aber in diesem Moment, mit dieser Erwartungshaltung, mit diesem angestauten Stress — da werden Blätter zu einem Versagen. Algen zu einer Unverschämtheit. Eine Fliese zu einem Beweis, dass hier niemand aufpasst.

Und dann kommt die Mülltrennung. Und die Laune ist komplett im Eimer.

Der Vermieter im Schlüpper mit dem Kaffee

Die andere Seite ist nicht besser. Vermieter, die wissen wie das Spiel läuft, spielen es mit — und zwar so, dass man am Ende nicht mehr weiß was man eigentlich bewertet.

Ich habe das selbst erlebt, in einem B&B in Cagliari. Das Zimmer: in Ordnung. Der Vermieter: morgens im Schlüpper auf dem Gang, Kaffee in der Hand, leicht aufdringlich. Die Nacht: laute Musik aus dem Hinterhof bis drei Uhr. Einmal und nie wieder, denkt man sich.

Und dann kommt er und sagt: „Schreibt mir bitte eine gute Bewertung — ihr bekommt noch einen Kaffee gratis."

Und was passiert? Man denkt: das Zimmer war naja. Aber die Menschen waren doch irgendwie nett. Man will nichts Negatives schreiben. Also schreibt man vier Sterne. Weil man ein gutes Herz hat. Und weil man sich nicht traut.

Der nächste fährt hin, aufgrund dieser vier Sterne — und erlebt sein blaues Wunder.

Was sagen diese Bewertungen wirklich?

Ich sehe es immer öfter: entweder fünf Sterne, weil man sich verpflichtet fühlt. Oder eine, weil man wirklich schlechten Tag hatte. Etwas dazwischen, Ehrliches, Differenziertes — das ist selten geworden.

Wirklich ehrliche Bewertungen? Die sind in der Minderheit. Die meisten sagen uns mehr darüber, in welcher Verfassung jemand angereist ist — als über das Haus selbst.

Und das führt mich zu dem Gedanken, der mich nicht mehr loslässt:

Im wahren Leben möchte man auch nicht bewertet werden. Warum also sollte ein Haus es anders verdienen?

Vielleicht wäre die ehrlichere Frage nicht: Wie viele Sterne? Sondern: Wie war ich — als ich dort war?

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