Ich rede mit Einheimischen, mit Auswanderern, mit Menschen, die seit zwanzig Jahren hier leben — und mit solchen, die die Insel seit Jahren verlassen haben und sich trotzdem nicht wirklich weg fühlen. Und fast immer kommt irgendwann dieses Wort.

„Angekommen."

Es klingt so simpel. Und es bedeutet alles.

Es ist nicht nur Liebe. Nicht die Begeisterung für das Meer, die Küche, die Farben — das alles ist real, aber das ist es nicht. Es ist etwas Tieferes. Ein ruhiges, vollständiges Ja. Ich bin hier. Ich bin richtig. Ein Gefühl von Zufriedenheit, das sich nicht erklären, aber sofort erkennen lässt. Als würde sich irgendwas in der Brust ruhig stellen, was sonst immer ein bisschen unruhig ist.

Auch wer gehen musste, trägt es mit sich

Ich kenne Menschen, die für Arbeit weggehen mussten — nach Deutschland, in die Schweiz, nach Mailand. Die ein Leben aufgebaut haben, das funktioniert. Das gut ist, das sogar glücklich macht. Und trotzdem tragen sie Sardinien mit sich. In dem Geruch, der sie an Macchia erinnert. In einem bestimmten Licht, das im Sommer auf einen Steinboden fällt. In einem Moment der Stille, der sich richtig anfühlt — weil er sie an die Insel erinnert.

Das Gefühl geht nicht weg. Man lernt nur, damit zu leben.

Seit meinem sechsten Lebensjahr

Ich selbst war als Kind vier Jahre hier. Irgendwo um mein siebtes Lebensjahr bin ich dann weg. Und ich plane meine Rückkehr — ich sage das ohne Übertreibung — seit meinem sechsten Lebensjahr.

Ich sage das oft und dann lachen Leute. Aber es stimmt. Ich weiß noch genau, wie es sich angefühlt hat. Nicht wie Urlaub. Wie zuhause. Und dieses Gefühl hat sich nie aufgelöst — es sitzt fest, ruhig, ausdauernd. Es wartet einfach.

Einmal dieses Gefühl gehabt — und es lässt einen nicht mehr los. Das ist keine Romantisierung. Das ist ein Befund, den ich immer wieder höre, von Menschen die ich kaum kenne, und der sich jedes Mal anfühlt wie ein stilles Einverständnis unter Gleichgesinnten.

Das Gefühl steckt auch in den Häusern

Dasselbe erkenne ich in manchen Häusern. Nicht in perfekten Häusern. Nicht in durchgestylten, durchgeplanten, auf Hochglanz gebrachten Häusern. Sondern in denen, die nach Leben riechen.

Die einen alten Schrank haben — von der Oma geerbt, oder von einem anderen geliebten Menschen. Die Möbel, die eine Geschichte erzählen: wer am Tisch saß, wie oft er gerückt wurde, was darauf stand. Die Fotos an der Wand von früher. Die Küche mit Gebrauchsspuren, die keine Makel sind, sondern Beweise. Beweis dafür, dass hier jemand wirklich gekocht hat, wirklich gelebt hat.

An diesem Tisch wurde gelacht und geweint. Getrunken und getanzt. Diskutiert und geschwiegen. Man spürt das — nicht mit dem Kopf, aber irgendwie trotzdem.

„Wer einmal in so einem Haus war, weiß genau, wovon ich rede."

Es geht nicht um Perfektion. Es geht um Substanz. Um das ehrliche, ruhige Gefühl: hier hat jemand wirklich gelebt. Jemand war glücklich hier. Jemand hat gelitten hier. Jemand hat diesen Schrank geliebt und ihn nicht weggeworfen, weil er alt ist.

Man erkennt diese Häuser, wenn man sie sieht. Und erst recht, wenn man sie betritt. Es braucht keine Sekunde. Hier möchte ich sein. Hier möchte ich Zeit verbringen. Hier und jetzt zählt. Es fühlt sich nicht fremd an — im Gegenteil. Es fühlt sich an wie Familie.

Warum der Wein zuhause nicht mehr schmeckt

Kennt ihr das? Man erinnert sich, wie die Oma gekocht hat — der Duft, der durch die Wohnung zog, und wie gut es geschmeckt hat. Und man kann dasselbe Rezept nachkochen, exakt so, dieselben Zutaten, dieselbe Reihenfolge — und es ist nicht dasselbe. Es schmeckt gut. Aber es ist nicht das.

Oder man sitzt im Urlaub am Strand, trinkt eine Flasche Wein, und denkt: das ist der beste Wein den ich je getrunken habe. Man kauft ihn mit, bringt ihn nach Hause, öffnet ihn abends am Küchentisch. Und was ist? Er schmeckt nicht mehr so.

Warum ist das nur so?

„Weil es nicht die Umgebung ist, in der man es erlebt hat. Weil Gefühle, Erinnerungen, Düfte — gebunden sind an einen bestimmten Ort."

Der Wein war nie nur der Wein. Es war das Licht auf dem Wasser. Die Wärme auf der Haut. Das Lachen am Tisch. Die Stille danach. Den kann man nicht einpacken und mitnehmen.

Aber den Ort kann man wiederfinden.

Genau diese Orte suche ich

Das ist es, was ich mache. Nicht einfach Ferienhäuser. Sondern genau diese Häuser — die, die dieses Gefühl auslösen. Die, bei denen man den Schlüssel dreht, die Tür aufmacht, einen Schritt rein macht und weiß: hier bin ich richtig. Hier bin ich angekommen.

Und jetzt bin ich es, der hier sitzt. Der morgens durch diese Terrassentür geht. Der an diesem Tisch seinen Kaffee trinkt.

Angekommen.

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