Fiona und Alessandro sind ausgewandert. Nach Sardinien. Und wenn man fragt warum — lacht sie kurz, macht eine kleine Pause, und sagt dann: „Weil wir uns hier einfach angekommen fühlen."
Es gibt Menschen, die reisen und suchen. Und irgendwann hören sie auf zu suchen — weil sie gefunden haben, was sie nie benennen konnten. Fiona und Alessandro sind solche Menschen.
Auf Instagram kennt man die beiden als @italien.island.life — und wer ihnen folgt, versteht sofort, warum sie geblieben sind. Sardinien ist bei ihnen kein Hintergrund. Es ist das Thema.
Alessandro ist halb Sarde. Für ihn war die Rückkehr auch eine Rückkehr zu sich selbst — zu seinen Wurzeln, zu einer Sprache, zu einer Insel, die er immer irgendwie als seine empfunden hat. Fiona hingegen war schon lange vor ihm hier. Unabhängig von ihm, unabhängig von allem. Immer wieder zurückgekehrt, ohne zu wissen warum.
„Man kommt her und denkt, man macht Urlaub. Und dann bleibt man einfach."
Sie haben zwei Kinder. Sie haben den Schritt gewagt. Und sie haben einen Plan: irgendwann ein eigenes Haus kaufen, ein kleines B&B aufbauen — einen Ort schaffen, an dem andere das Gleiche fühlen dürfen, was sie selbst gefühlt haben. Dieses Ankommen.
Bis dahin leben sie in einem Ferienhaus in Torre delle Stelle. Für alle, die die Gegend nicht kennen: das ist Südostsardinien, bei Villasimius, direkt am Golf von Cagliari. Eine wirklich schöne Ecke. Das Meer dort hat dieses leichte, klare Türkis, das man nur hier findet. Im Sommer pulsiert der Ort. Im Winter — und das sagen sie selbst — ist dort nahezu gar nichts los.
Ich war sie besuchen. Natürlich. Wer sollte mich davon abhalten.
Tolle Lage.
Schönes Haus.
Sehr gefragt.
Und trotzdem.
Trotzdem war da wieder dieses Gefühl, das ich mittlerweile zu gut kenne. Das Gefühl, das mich daran erinnert, warum ich The Escape Journal überhaupt ins Leben gerufen habe.
Die Klospülung war kaputt. Die Dusche hatte keinen Wasserdruck — und ich meine: keinen. Was bedeutet das in der Praxis? Dass Fiona und Alessandro mit ihrem Kleinkind und ihrem Baby nach draußen mussten. Unter die kalte Außendusche. Mit zwei kleinen Kindern. Das ist kein Komfortproblem. Das ist inakzeptabel.
Einen echten Vertrag? Gab es nicht. Man verlässt sich aufeinander — oder auch nicht, wie sich herausstellte. Und dann kommt die Stromrechnung. Nicht auf Basis des tatsächlichen Verbrauchs, sondern einfach irgendwelche Zahlen. Preise vom Vorjahr, einfach herbeigezaubert, keine Erklärung, keine Grundlage.
„Wir leben hier. Wir wissen, wie die Preise sind. Und das ist schlicht Abzocke."
Das sagen nicht Urlauber, die einmal für zwei Wochen auf der Insel waren und keine Ahnung vom Markt haben. Das sagen zwei Menschen, die hier leben. Die die Gegend kennen. Die die Mietpreise kennen. Die wissen, was ein Kubikmeter Strom auf Sardinien kostet.
Man könnte so viel mehr aus diesem Haus herausholen. Tolle Lage, schönes Haus, eine Gegend die im Sommer wie von selbst gebucht wird — das ist Gold. Aber genau das ist das Problem: Der Vermieter weiß, dass die Gäste kommen werden, egal wie. Und wenn die einen gehen, kommen eben neue. Wiederkehrer interessieren ihn nicht. Und das sieht man.
Fiona und Alessandro sehen das anders. Und genau deshalb erzähle ich ihre Geschichte. Weil zwei Menschen, die selbst wissen wie es sich anfühlt wirklich anzukommen, eines Tages einen Ort schaffen werden, der das widerspiegelt. Einen Ort mit echtem Vertrag. Mit funktionierender Dusche. Mit einer Stromrechnung, die sich an der Realität orientiert — nicht an der Dreistigkeit des Vermieters.
Ich freue mich darauf, dieses B&B irgendwann auf The Escape Journal zu zeigen.
Und bis dahin: Lest dem Vermieter ruhig die Leviten. Zu Recht. Ihr habt bezahlt, ihr habt Ansprüche — und wer das nicht versteht, soll es lernen.
Vorab erkundigen. Schriftlich festhalten. Nicht abzocken lassen.
Kein Vertrag? Nicht einziehen.
Keine klaren Nebenkosten? Nachfragen, bevor ihr unterschreibt.
Mündliche Zusagen? Wert: null.
Schriftlich. Immer.
Und noch ein Tipp am Rande — ganz ohne Zusammenhang, versteht sich: Haltet auch auf dem Markt die Augen offen. Diverse Gemüsehändler versuchen es nämlich ebenfalls ganz gern — und verlangen für ein Kilo Obst schonmal 30 Euro. Mit dem breitesten Lächeln der Welt. 😉
Sardinien ist wunderschön. Die meisten Menschen hier sind herzlich und ehrlich. Aber wie überall gilt: wer vorbereitet ist, wird seltener überrascht. Und wer zweimal hinschaut, zahlt den richtigen Preis.
Denn am Ende muss weder die eine noch die andere Seite alles hinnehmen oder akzeptieren. Vermieter haben Rechte — Mieter auch. Gäste haben Erwartungen — Gastgeber auch. Was es braucht, ist eigentlich ganz einfach: sich wieder auf Augenhöhe begegnen. Mit Respekt. Mit Ehrlichkeit. Und mit dem Willen, dass am Ende beide Seiten zufrieden sind.
Und Fiona und Alessandro — euch wünsche ich von Herzen alles Gute auf diesem Weg. Wenn die B&Bs fertig sind, bin ich die Erste, die darüber schreibt. Versprochen. 😉
— Brit